Montag, 25. März 2019

Rainbow Mountains


23.3.


Es ist ein bisschen wie heimkommen, wenn man schon mal wo gewohnt hat. Ich hatte noch mein gleiches Zimmer und auch mein Gepäck, das ich zurückgelassen hatte, stand noch auf dem Stuhl, wo ich's abgestellt hatte.
Ich hatte hier in Cusco ja noch einen ganzen Tag und überlegte, ob ich ne Tour zu den Rainbow Mountains machen sollte oder nicht. Das Wetter ist dort ja unberechenbar und die Farben wirken eigentlich auch nur, wenn die Sonne drauf scheint. In Machu Picchu hatte ich mit einem Kanadier gesprochen, der am Vortag dort war und die eine Seite der Berge eingeschneit vorfand! Immerhin ist man dort auf 5000m Höhe und muss etwa eine bis eineinhalb Stunden wandern, wenn auch nicht sehr steil.
Aber nun war ich schon mal hier und auf einen ganzen Tag Museen in Cusco hatte ich auch nicht gerade Bock. Also sagte ich mir: Karin, das machst du jetzt einfach, vielleicht ist dir der Wettergott der Inkas wieder wohlgesonnen!
Ingrid wusste eine Agentur, die sie mir empfehlen konnte und ich bat sie, für mich für den drauffolgenden Tag die Rainbow Mountains Tour zu reservieren. Ich würde sogar morgens um 5h abgeholt, was viele Agenturen nicht anbieten und zudem noch viel früher Treff haben, meist so um 4h!
Da ahnte ich noch nicht, was alles auf mich zukommen würde...!



24.3.


Kurz nach 5h hielt tatsächlich ein Auto vor dem Haus und holte mich ab. Am Ende der Straße wurden noch ein paar eingeladen und dann mussten wir an einem zentralen Platz in einen Bus umsteigen. Irgendwann fuhr er los und sammelte an anderer Stelle weitere Leute ein, um danach wieder an den zentralen Platz zu fahren. Dort warteten wir dann eigentlich nur noch auf den Guide! Kurz vor sechs erschien dann ein junger Bursche, entschuldigte sich charmant und meinte, jetzt könnten wir los! 
Nach zwei Stunden Fahrzeit bog der Bus in eine Wohnstraße ein und hielt vor einem Haus, wo wir alle zusammen frühstückten. Anschließend war es noch etwa eine Stunde Fahrt, die allein schon sensationell war! Wir fuhren in eine Bergwelt mit kleinen Dörfern auf 4000m Höhe, wo die Bewohner fast alle traditionelle Trachten tragen und in einfachsten Verhältnissen leben. Dazu eine einzigartige Landschaft - ich war begeistert! 


















Unser Mercedesbus schraubte sich langsam um die vielen Kurven nach oben, immer so am Abhang entlang, wobei ich bestens in die Tiefe blicken konnte, da ich auf der entsprechenden Fensterseite saß! Anerkennend blickte ich auf den Stern am Lenkrad und dachte noch: Ah, deutsche Wertarbeit!
Dann begann es plötzlich: Ein ungutes Geräusch war auf einmal zu hören und ich tippte mal auf Keilriemen. Der Fahrer war auch nicht begeistert und unser Guide meinte kurz darauf, wir würden demnächst anhalten und der Fahrer würde versuchen es zu reparieren. Wir fuhren dann noch eine ganze Weile mit den quietschenden Lauten weiter, denn wirklich anhalten war nirgends möglich. Irgendwann tauchte der Parkeingang auf, der Guide sammelte von jedem 10 Soles ein und ich dachte zunächst reichlich irritiert, dass das für die Reparatur sei! Dem war aber nicht so, mein Spanisch hat mich etwas irregeführt: Es war der Eintritt in den Park! Bis zum eigentlichen Parkplatz, wo der Hike dann losgehen sollte, waren es aber noch einige Kilometer den Berg hinauf und uns war nicht klar, wie wir da hingelangen sollten.



Auf einmal kam ein anderer Tourenbus, die Fahrer verhandelten ein bisschen und dann erklärte sich der zweite Busfahrer bereit, seine Gruppe oben abzuladen und danach uns zu holen. Ich muss vielleicht noch erwähnen, dass inzwischen die Sonne hinter den Wolken vorkam, also beste Bedingungen für die Rainbow Mountains herrschten, und ich wurde innerlich schon reichlich ungeduldig, da wir schon so viel Zeit verloren hatten und in den Bergen sich neue Wolken auftürmten.
Nach einer halben Stunde Wartezeit kam endlich der Bus und karrte uns nach oben. Auf dem Parkplatz standen schon viele andere Busse und PKWs, und wir waren so quasi die Letzten! Nun versammelte uns unser Guide um sich herum, nahm ein paar Cocablätter und sprach eine Art Gebet zur Mutter Erde 'Mamapacha'.
Die Gruppe wartete brav und startete dann, je nach körperlicher Verfassung, unterschiedlich schnell. Es gab auch die Möglichkeit, auf einem Maultier die Strecke zurückzulegen, was aber für mich als alte Hikerin nicht in Frage kam! Ich nahm mir halt ein bisschen mehr Zeit zum Marschieren und Schnaufen. Mit mir waren noch ein paar andere Frauen beim Spättrupp und wir legten immer wieder Ruhepausen ein.






Unser Guide und sein Helfer trieben uns aber immer wieder an, vermutlich im Hinblick auf die Wetterentwicklung; aber die 5000 Höhenmeter ließen einfach nicht mehr zu! Ich dachte noch bei mir: Ja, wäret ihr nicht zu spät gekommen und wäre der Bus nicht liegen geblieben, dann bräuchten wir jetzt nicht zu hetzen!!! Aber das nutzte jetzt auch nichts, wir kämpften uns ehrgeizig weiter nach oben. Vor allem das letzte Stück ist etwas steiler und ging schon ganz nett auf die Lungen! ABER: wir schafften es und sogar noch bei Sonne! Ich war super happy, und trieb die anderen Mädels an, schnell ein paar Fotos zu machen, denn es war abzusehen, dass das Wetter sich rapide ändern würde. Und kaum waren die Fotos geschossen, war auch schon die Sonne weg!











Man konnte noch 200 Höhenmeter weiter und die Mädels machten sich mit unserem Guide daran weiter zu steigen. Ich aber hatte keine Lust, nachher im Regen oder Schnee abzusteigen und bei den Sichtverhältnissen, die plötzlich herrschten, lohnte es sich sowieso nicht. Unser Guide meinte, unten auf dem Parkplatz würde sein Assistent im Bus warten, ich könnte also schon mal voraus. Mit mir stiegen noch 4 Israelis ab, die auch genug gesehen hatten.
Unterwegs begann es dann heftig zu graupeln und zu regnen und ich packte mein volles Regenklamottenarsenal aus, das ich schon die ganze Zeit mit mir herumtrug. Inklusive Handschuhe! Der Weg zog sich und zog sich und als dann irgendwann der Parkplatz auftauchte, entfuhr mir ein kräftiges 'Halleluja'! 
Da stand auch ein Bus - leider nicht unserer, sondern der von der anderen Tour, der uns freundlicherweise hochgefahren hatte. Die Israelis wetterten ganz schön rum, aber das nützte auch nichts, denn der andere Tourenanbieter war für uns ja nicht zuständig! Inzwischen regnete es kräftiger und wir durften zumindest in dem Bus zur Abfahrt unterstehen! Dann aber war er komplett und fuhr los nach Cusco. Da oben auf dem Parkplatz war nichts außer einer Toilettenanlage, in der wir uns in unserer Not unterstellten. Inzwischen war auch unser Guide aufgetaucht, schien aber genauso überrascht, dass kein Bus da war und begann zu telefonieren. Die Informationen kamen nur tröpfchenweise an und irgendwann hieß es, in 20 Minuten! Was da dann sein würde, blieb unklar, deshalb beschlossen einige von uns, inklusive mir, bis zum Parkeingang auf der Straße hinunterzugehen, um sich beim Gehen etwas aufzuwärmen. Ich  blieb dabei etwas zurück, da die anderen quer über die Wiesen abkürzten, die voller Lamamist waren und ich noch zögerte. Plötzlich hielt ein Kleinbus mit Einheimischen und ein paar Leuten aus unserer Gruppe und sammelten mich auch noch ein. Oh Mann, was war ich dankbar, denn inzwischen meldete sich mein linkes Knie, das offensichtlich auch genug hatte! Am Parkeingang stand immer noch unser defekter Bus mit dem Busfahrer, worüber ich sehr froh war, denn ich hatte darin Ersatzschuhe und Socken deponiert. Wir  konnten uns nun unserer nassen Klamotten entledigen und im Trockenen warten. 
Von wegen 20 Minuten... Eine Dreiviertelstunde später endlich tauchte ein Bus auf und fuhr zuerst nach oben, um die dort Wartenden abzuholen; anschließend sammelte er unterwegs unsere versprengte Gruppe nach und nach ein.
Mir ist es unerklärlich, warum die Agentur es nicht schaffte einen Ersatzbus früher zu schicken und es stattdessen fertigbrachte, über 26 Personen so lange warten zu lassen. 
Aber hier bekam ich auch eine Lektion über südamerikanische Mentalität: Die meisten Teilnehmer waren aus Chile, Argentinien, Mexiko etc., und nahmen das Ganze relativ gelassen. Die jungen Israelis hatten sich übrigens abgeseilt und irgendwie eine frühere Mitfahrgelegenheit nach Cusco gefunden. Jemand meinte, sie hätten noch am gleichen Abend weiterreisen wollen.
Mich käste das Ganze insofern an, als ich am nächsten Tag morgens um 5h am Flughafen sein musste um nach Arequipa weiterzufliegen. Im Preis mit drin war auch ein gemeinsames Abendessen im gleichen Raum, wo schon das Frühstück gewesen war. Das dauerte insgesamt gut ne Stunde, war aber auch sehr interessant, die vielen Südamerikaner zu beobachten, die sich so einfach in einer Sprache unterhalten konnten, selbst eine Brasilianerin verstand sie recht gut. Nur ich hatte so meine Probleme!



Und dann kamen wir auch noch in einen langen Stau und unser Busfahrer machte ein paar klägliche Versuche, sich an der Schlange mal rechts, mal links vorbei zu drücken, was natürlich die anderen Autofahrer zu wildem Hupen veranlasste! Andere machten es genauso - scheint der peruanische Fahrstil zu sein!
Kurzum: Um dreiviertelzehn war ich endlich zurück in meinem Zimmer und freute mich auf eine heiße Dusche!!!
ABER: ich habe tolle Bilder von den Rainbow Mountains!!! (Wenn auch hart erarbeitet!!!)

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