3.3.
Um 10:30h, also einer sehr christlichen Zeit, erschien ich in der Agentur zur Wine Tasting Tour. Die drei Mädels aus Polen waren schon da und kurz darauf saßen wir im Auto von Carlos (ein Name, der leicht zu merken ist, denn jeder Zweite heißt so!), und da ich vorne saß, unterhielt ich mich mit ihm, während er sich durch den Verkehr drängelte. Hier fährt jeder so, als läge seine Frau neben ihm in den Wehen und die Geburt stünde kurz bevor. Jeder noch so kleine Spurwechsel wird mit lautem Hupen angekündigt, und da das jeder macht, ertönt ein ständiges Hupkonzert in den Straßen. Wer langsam unterwegs ist, hat auch keine Chance und wird gnadenlos weggehupt. Dazu kommen noch all die Tuktuks und Taxen, die ihre Verfügbarkeit ebenfalls durch lautes Hupen kundtun, sodass eine nette Mischung aus quäkenden Tuktuk-Hupen und satten PKW-Hupen entsteht. Ich liebe es inzwischen, dieses Manövrieren zu beobachten und finde es faszinierend, wie wenige Millimeter oft zwischen den Fahrzeugen liegen.
Jedenfalls raste Carlos ebenfalls mit uns aus der Stadt zum Weingut El Catador, wo man sich am Tor wieder mit Pass legitimieren muss (ich hatte nur ne Kopie, das reichte auch) und meldete uns zum Rundgang an. Leider war der nächste in Englisch erst in einer Stunde und so schlugen wir Carlos vor, das zweite Weingut anzufahren.
Nach ca. 15min erreichten wir Tacama, das eine touristische Hochburg zu sein schien, denn es reihte sich ein Verkaufsstand an den anderen und erinnerte ein bisschen an Weindorf, nur ohne Lauben. Man führte uns im Schnelldurchgang an diversen Stationen der Traubenbearbeitung vorbei, wie z.B. große Becken, in denen die Trauben mit den Füßen gepresst werden und ratterte dazu in Englisch die entsprechenden Informationen runter. Anschließend ging es zur Verköstigung bzw. zum Tasting. Was wir dann aber in rascher Folge versuchen durften, waren nur Apéritifs bzw. Digestifs: alles süße Liköre, bis auf den letzten; das war ein Pisco in Reinkultur mit über 40%! Zu jedem der sieben gab es einen Trinkspruch, abwechselnd auf Spanisch, Ketchua und Englisch.
Man soll dann natürlich auch was kaufen, aber da mein Rucksackvolumen sehr begrenzt ist, war nur ein kleines Fläschchen drin, mit so ner Art Bailey's. Ausgerechnet das hatten sie nur als große Flasche und schied somit aus.
Wir Mädels hatten uns eine Weinprobe eigentlich ganz anders vorgestellt und waren ziemlich enttäuscht. Mal sehen, was El Catador zu bieten hatte...
Carlos raste mit uns zurück und kurz nach 12h schafften wir es gerade noch zur englischen Tour. Hier sah das Ganze schon mehr nach Weingut aus und ein recht gut gemachtes Video erklärte uns die dreierlei Verfahren je nach Rotwein, Weißwein oder Pisco und gab auch einen Überblick über die Größe des Weinanbaus hier im Tal des Flusses Ica.
Nach dem Rundgang durch die Produktionsstätten mit riesigen Metallbottichen (nix Holzfass!) und einem Museumsbereich landeten wir auch schon bei der Verköstigung und oh Freude: diesmal ging es um richtigen Wein! Erst weiß, dann rot und rosé - alles Mischungen aus verschiedenen Rebsorten. Ich sag's mal so: weiß und rot quite nice, aber nix Außergewöhnliches. Der halbtrockene Rosé ging schon in Richtung Sangría und als viertes der Pisco kam wieder hochprozentig daher!
Beim Rausgehen wurden wir nicht mal auf den Laden mit Verkauf hingewiesen, was ich schon mal sehr sympathisch fand.
Es stand noch eine dritte Location auf dem Programm und wir baten Carlos, uns gleich dorthin zu fahren und das Mittagessen ausfallen zu lassen. Was dann kam, war mehr als skurril!
Es handelte sich um eine Bodega, die schon lange in Familienbesitz ist; und diese Familie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Altes zu bewahren und für die Nachwelt zu erhalten. Und was sie alles im Laufe der Zeit zusammengetragen hat, kann in einem 'Museum' besichtigt werden, das mehr einem vollgepackten Dachboden ähnelt als einer geordneten Ausstellung!!! So manches richtige Museum würde hier sicher noch fündig werden! Carlos überschüttete mich mit spanischen Informationen und gab mir dann ein Zeichen, es für die polnischen Mädels zu übersetzen. Haha! Ich als Dolmetscher!
Es handelte sich um eine Bodega, die schon lange in Familienbesitz ist; und diese Familie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Altes zu bewahren und für die Nachwelt zu erhalten. Und was sie alles im Laufe der Zeit zusammengetragen hat, kann in einem 'Museum' besichtigt werden, das mehr einem vollgepackten Dachboden ähnelt als einer geordneten Ausstellung!!! So manches richtige Museum würde hier sicher noch fündig werden! Carlos überschüttete mich mit spanischen Informationen und gab mir dann ein Zeichen, es für die polnischen Mädels zu übersetzen. Haha! Ich als Dolmetscher!
Carlos konnte es gar nicht abwarten, bis wir uns alles flüchtig angesehen hatten (bei der Menge war ein genaues Hinschauen gar nicht möglich), denn schon wartete die nächste Alkoholprobe auf uns... Und wieder ging es nur um Süßes und - man kann es sich schon denken - hochprozentigen Pisco! Beim Pisco winkten wir alle vier ab, die Likörchen versuchten wir gerade noch.
Trotz des vielen Alkohols waren wir recht klar im Kopf und baten Carlos uns am Hotel abzuladen (zufällig wohnten wir im gleichen Haus), was er auch gerne tat. Er fand es auch ganz OK, dass wir ihn als Fahrer davon abgehalten hatten, an den Proben teilzunehmen!!! ;)
Also Fazit der Tour: Wir hatten uns alle etwas ganz anderes davon versprochen und was den Wein angeht, waren wir schon enttäuscht. Aber es war dennoch ein lustiger Ausflug mit Carlos, dem es offensichtlich auch Spaß gemacht hat!
Abends hatte ich noch ein interessantes Erlebnis beim Kauf einer Tube Zahnpasta:
In der Mall ums Eck gab es eine Drogeriekette, die Zahnpasta im Angebot hatte. Als Schwabe nützt man das natürlich aus und als ich bezahlen wollte, verlangte die Verkäuferin nach meinem Pass. Ich sah sie mit großen Augen an und reichte ihr meine Passkopie. Sie tippte daraufhin ewig lang in ihre Kasse ein, reichte mir dann den ewig langen Kassenzettel und bat mich ihn auszufüllen (mit Email- und Wohnadresse). Na ja, bin gespannt, ob ich von der Drogeriekette ein paar interessante Angebote nach Deutschland geschickt bekomme!?!? Mit einer Plastiktüte, meiner Zahnpasta und viel Papier verließ ich dann den Laden.

































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