Dienstag, 26. Februar 2019

Gewaltige Spuren!



23.2.



Ich hatte in irgendeinem Forum gelesen, dass man hier in der Gegend vor wenigen Jahren gewaltige Spuren von Dinosauriern entdeckt hatte und die wollte ich natürlich sehen! Mit dem 'Dino Truck'  fuhren wir also vor die Tore der Stadt ins Dino-Land. Was einem als erstes ins Auge fiel, war eine riesige Zementfabrik, hinter der sich diese Sehenswürdigkeit verbarg. Nachdem wir unseren Obulus für zweierlei Menschenarten (Einheimische und Ausländer!) entrichtet hatten, und ich für Fotografierrechte noch 5 Bolivianos drauflegen durfte, führte uns ein englischsprachiger Guide durchs Terrain, auf dem im Disneyland-Stil verschiedene bunte Dinosaurierarten ausgestellt waren. Er rasselte seinen Text runter, stellte an jedes Satzende ein OK? und Esther und ich nickten brav. Diese vielen Namen machten einen ganz kirre, aber als erfahrener Lehrer weiß man, wie man als ordentlicher Schüler dem Lehrer ein gutes Gefühl vermittelt.









Dann zeigte man uns in einem Animationsfilm mit Dinos wie sie sich gegenseitig bekämpft haben und der größere den kleineren gevespert hat, falls dieser nicht entkommen konnte. Auch wo man sonst auf der Welt Spuren dieser Spezies gefunden hat, wie z.B. In Japan und China.

Auf eine riesige, steile und fast glatte Felswand deutend zeigte mir Esther, wo nun diese außergewöhnlichen Spuren zu finden waren: überraschenderweise verliefen sie steil nach oben bzw. unten. Später, in einer Tour, wurde uns erklärt, warum diese Spuren nicht flach auf dem Boden verliefen. (Die Kenner unter euch sind sicher schon drauf gekommen: es hat mit der Anhebung bzw. Senkung der Erdschichten zu tun.)









Unser zweisprachiger Guide demonstrierte sehr schön, wie es zu den Spuren kam:
Da war mal ein See, zu dem die Tiere gepilgert sind und in der feuchten Uferzone ihre Spuren hinterließen. Diese wurden vom Wind und Überschwemmungen mit Sedimenten überdeckt und im der Laufe der Zeit durch weitere Schichten zugedeckt. Durch die Bewegungen der Erdoberschicht wurde das Ganze angehoben bzw. abgesenkt und so kam es zu der aktuellen steilen Lage dieser Spuren.





Als man hier ein Zementwerk einrichtete und den Berg abtrug, kamen diese Spuren plötzlich zum Vorschein, was dem Zementwerk natürlich nicht gefiel, da der Berg nun tabu war! Wissenschaftler aus der ganzen Welt bestätigten die Echtheit der Fußabdrücke und jetzt wartet die ganze Stätte auf die Anerkennung der UNESCO. Die Schwierigkeit dabei wird sein, den Hang vor weiteren Abbrüchen zu bewahren, da Regen und Wind hier keine Rücksicht nehmen.




Am Nachmittag verabschiedete sich Esther dann endgültig von mir, denn sie nahm den Nachtbus zurück nach Oruro. Ich wanderte indessen noch zum Friedhof, der sehr beeindruckend ist: Lange Wände mit Urnengräbern demonstrieren, wie man platzsparend und dennoch ehrwürdig seiner verstorbenen Lieben gedenken kann; wobei die oberen Ränge nur mit einer Leiter zugänglich sind, was besonders für ein so kleinwüchsiges Volk wie die Bolivianer nicht gerade entgegenkommend ist!






Es war erst halb fünf, als ich mit meiner Runde fertig war und so beschloss ich noch mal nach La Recoleta hinaufzugehen, wo es ein kleines indigenes Kunstmuseum gibt. Es hatte bis 6h geöffnet und so hatte ich eine Stunde, um vor allem die Webtechniken der indigenen Völker zu studieren. Dabei erfuhr ich, dass die filigrane Webkunst schon fast am Aussterben war, sich dann aber junge Frauen von den wenigen alten, erfahrenen Frauen in die Kunst einführen ließen und diese so überlebte. Die Frauen hatten viel Erfolg, was wiederum den Neid der Männer erweckte, die dann auch weben lernen wollten und dies auch heute noch tun. Ihre Methode ist nicht so filigran, dafür gegenständlicher und bunter!







Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Platz:  La Recoleta ist der ideale Ort, um den Sonnenuntergang zu erleben! Außer mir dachten auch noch jede Menge anderer, vorwiegend junger Traveller so - meine Altersgruppe war ziemlich unterrepräsentiert! ;)





Na ja, ein bisschen Graffiti gibt es dann doch!












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