26.2.
Was tun in Potosí? Natürlich eine Mine besichtigen! Alle im Internet schwärmen davon, obwohl es teilweise etwas grenzwertig zu sein scheint, von wegen enge Tunnel und Abstieg in dieselben... Aber ihr wisst ja, dass mich nichts so leicht abschreckt, deshalb bin ich gleich nach dem Frühstück zu einer Agentur neben meinem Hostal und habe angefragt, ob's am Morgen noch geht. Da saß dann noch ein junger Mann, auch deutsch - da waren wir ja schon mal zu zweit. Später kamen noch 5 Traveller aus Deutschland bzw. der Schweiz dazu und so war die Gruppe komplett.
Und das war unser Ziel: Der Cerro Rico, in dem seit über 500Jahren Silber abgebaut wird!
Und das war unser Ziel: Der Cerro Rico, in dem seit über 500Jahren Silber abgebaut wird!
Als erstes hielten wir in einer Art Lager mit den passenden Klamotten und Stiefeln für die Tour, und so wurden wir gleich mal richtig zünftig eingekleidet.
Nächster Stopp war ein kleiner Laden, wo normalerweise die Bergleute einkaufen, denn fast alle sind hier Freelancer und müssen alles vom Dynamit über Cocablätter bis zu den Getränken selbst besorgen. Es wurde uns nahegelegt, etwas für die Bergleute als Geschenk zu kaufen und ich entschied mich für's Dynamit!!! Für mich nahm ich noch einen kleinen Beutel Cocablätter und den dazugehörigen Katalysator, Lejía, der aus gepresster Pflanzenasche besteht und in verschiedenen Formen erhältlich ist: steinhart und salzig, hart und nach Backpulver schmeckend, oder hart oder weich und nach Stevia / Kamille / Banane / Anis / Pfefferminze schmeckend. Ich entschied mich für Pfefferminz. Coca wird von den Bergleuten den ganzen Tag gekaut, denn es hilft gegen Hunger, Müdigkeit, Kälte und die Höhenkrankheit Soroche.
Nun stiegen wir wieder in den Kleinbus und wurden auf 4300m Höhe des Cerro Rico (4800m) gekarrt, wo sich einer der 500 (!) Eingänge zu den Minen befindet. Etwa 120 Bergleute arbeiten in dieser Mine, insgesamt sind es jedoch an die 10000 Arbeiter auf dem Cerro. Seit 500 Jahren wird hier Silber abgebaut, inzwischen sind aber noch viele weitere Edelmetalle dazugekommen. Früher gab es auch einen offenen unkontrollierten Abbau, der nun aber verboten wurde seit der Berg UNESCO Welterbe geworden ist.
Aber zurück zu unserer Tour:
Das war schon eine Welt für sich, die sich uns da bot. Die Bilder sprechen für sich:
Lady Dynamite!
Mein Gastgeschenk: eine Stange Dynamit!
Die Bergleute waren während der ganzen Zeit unserer Führung am Arbeiten und schoben volle Loren raus und leere wieder rein. Gespannt folgten wir ihnen in den Stollen, unsere Stirnlampen leuchteten den Weg zwischen den engen Schienen aus. Immer wieder mussten wir uns in eine Nische drücken, um die vollen oder leeren Loren an uns vorbei zu lassen; dabei hatten die vollen Loren immer Vorfahrt: die Männer mit der leeren Lore wuchteten sie von den Schienen auf die Seite und wenn die Mannschaft mit der vollen vorbei war, mussten sie die 200kg schweren Teile wieder auf die Schienen setzen! Jeder Lore ging ein Mann voraus, um die Schienen zu checken und eventuell Steine aus dem Weg zu räumen. Wir waren alle tief beeindruckt.
Da es recht staubig zuging, zogen wir uns alle einen Mundschutz über; aber für mich war es nicht gerade einfach mit dem Ding über dem Mund zu atmen, da ich auf Grund der Höhe eh schon kurzatmig war. Doch wir machten immer mal wieder eine Pause in einem Gebetsraum, wo auch offensichtlich gern mal was getrunken wurde, denn der Alkoholdunst in der Luft und die vielen leeren Dosen auf dem Boden entgingen uns nicht! Milton, unser Guide, demonstrierte uns wie die Bergleute hier beten: Von dem 95%(!) Alkohol wird etwas in den Deckel der Flasche geschüttet, dann werden in 4 Richtungen ein paar Tropfen Alkohol versprengt, vier Wünsche dazu gesagt und der Rest im Deckel getrunken. Ich war als Letzte dran und nachdem ich die Mienen der anderen nach dem Alkoholgenuss gesehen hatte, bekam mein letzter Wunsch besonders viel Flüssigkeit ab! Wir haben dann alle auf einen weiteren Schluck verzichtet! In der einen Figur verbirgt sich übrigens Jesus am Kreuz, der mit vielen Luftschlangen verziert ist, da gerade Karnevalszeit ist; die andere Gestalt ist Tio, eine Art Gott der Bergleute. Ihm werden Cocablätter auf Kopf, Schultern, Händen und einem übergroßen erigierten Penis (!) gestreut.
Bis jetzt war ja alles noch relativ harmlos. Aber dann gingen wir zu der Stelle, wo das Dynamit in die Wand gesteckt wird. Dazu mussten wir durch eine enge Passage im Boden nach unten steigen und auch über ein schmales Brett balancieren. Weiter ging es um mehrere Ecken und man musste sich dabei immer ducken... Endlich waren wir bei dem Mann angelangt, der die Dynamitstangen mit den Zündschnüren in die Wand klopfte. Unser Guide erfreute uns mit der Mitteilung, dass wir die Sprengung auch noch hören dürften, allerdings von etwas weiter oben! Dazu ging es den gleichen Weg zurück und wir krochen und kletterten wieder ein Niveau höher. Bald darauf gab es vier unspektakuläre Knallgeräusche, gefolgt von etwas unangenehm riechenden Gasen.
Zeit für uns den Rückmarsch anzutreten, wieder mit mehrmaligem Ausweichen, sobald sich eine Lore näherte!
Da ging‘s runter!
Der Sprengmeister bei der Arbeit
und wir schauten ihm über die Schulter!
Auch außen gilt: die leere Lore muss ausweichen!
Als wir wieder Tageslicht sahen und die frische Luft einatmen konnten, war jeder von zutiefst dankbar, dass dies nicht unser Job hier war!
Es war ein unglaubliches, fast ergreifendes Erlebnis, die Minenarbeiter bei der Arbeit zu sehen. Sie arbeiten 5-6 Tage die Woche und können selbst die Stundenzahl festlegen. Wenn es gut läuft, verdienen sie 1000-3000 Bolivianos in der Woche, also 125-375€, was leider viele dazu verleitet, die Schule abzubrechen und das Geld zu verbrauchen. Nur wenige planen für die Zukunft vor. Auch Milton war Minenarbeiter, hat dann aber abends noch die Schule besucht, Englisch gelernt und eine Tourismusausbildung gemacht. So kann er heute Touristen führen und muss nicht mehr schuften. Wir hatten übrigens noch einen zweiten Mann dabei, David, der gerade quasi in der Ausbildung ist und auch bald als Guide arbeiten kann.
Eine traurige Zusatzinformation: Jährlich sterben um die 16 Männer in diesen Stollen!
Wir fuhren danach zurück, um uns wieder umzuziehen! Und waren alle stolz, dass wir durchgehalten hatten!
Wir fuhren danach zurück, um uns wieder umzuziehen! Und waren alle stolz, dass wir durchgehalten hatten!



































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